Wir alle kennen den Effekt: In einem Webshop erscheint ein Produkt im besten Licht und wird in den höchsten Tönen beworben. Wenn es zu Hause eintrifft, erweist es sich als Mogelpackung.
Ein ähnliches Gefühl macht sich breit, wenn man von einem «privilegierten Zugang» zum «EU-Binnenmarkt» träumt. Befürworter des Vertragspakets mit der EU schwärmen von diesem.
Nur: Dieser Binnenmarkt existiert in der versprochenen Form gar nicht. Das zeigt eine Schätzung des Internationalen Währungsfonds (IWF) – und das erlebt jeder Schweizer Unternehmer, der Kleinsendungen in die EU verschickt.
Markus Somm hat in seinem «Memo» einen exemplarischen Fall geschildert: Ein bekannter Schweizer Süsswarenhersteller auf Wachstumskurs hat den Export in die EU weitgehend eingestellt. Der Grund: der ausufernde Aufwand.
Auszug aus der EU-Hürden-Liste
Seit 2021 gilt die frühere Mehrwertsteuer-Freigrenze von 22 Euro nicht mehr. Zum Vergleich: Die USA gewähren eine Freigrenze von 200 Dollar, Japan 80 Euro, die Schweiz 65 Franken. Wo bleibt da die angeblich so «privilegierte» Beziehung, für die wir mit Kohäsionszahlungen tief in die Kasse greifen?
Seit Juli 2026 kommt ein Zoll von 3 Euro pro Warenkategorie auf Kleinsendungen bis 150 Euro hinzu, ab November zusätzlich eine Handlinggebühr für E-Commerce-Kleinsendungen.
Der Süsswarenhersteller beliefert auch weitere Firmen, welche die Ware in die EU exportieren. Dabei verlangen nationale Behörden innerhalb der EU regelmässig zusätzliche Abklärungen bezüglich Zutaten, Herkunft und Lieferkette. Hat da jemand das Prinzip «Binnenmarkt» nicht verstanden?
Neu muss die Firma für einzelne Kunden zusätzliche Verpackungsdeklarationen zusammenstellen – weil diese von ihrem Staat oder der EU dazu gezwungen werden.
USA bleiben einfacher als EU
Die Konsequenz des Unternehmers: Er exportiert lieber in die USA und den Mittleren Osten. Sein Fazit, zitiert bei Somm: «Wie viel bleibt da vom hochgelobten freien Handel mit der EU für ein kleines Schweizer Unternehmen in der Praxis übrig? Die Bilateralen lösen diese Punkte kaum.»
Gemäss einer IWF-Schätzung entsprechen die Handelshemmnisse innerhalb der EU tatsächlich einem Zoll von rund 44 Prozent auf Güter und 110 Prozent auf Dienstleistungen.
autonomiesuisse weist immer wieder darauf hin, dass der wirtschaftliche Nutzen des Vertragspakets systematisch überzeichnet, die institutionellen Kosten – der Verlust an Souveränität, direkter Demokratie und Föderalismus – dagegen kleingeredet werden. Lohnt es sich für die Schweiz wirklich, ihre DNA aufzugeben, um einer Fata Morgana beizutreten?